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Staubfreies Heu von der Hallig

Jan Nommen Kruse hat den Strandhafer von der Hallig Nordstrandischmoor als Allergiker-Heu für Pferde entdeckt. Fotos: privat

Pferdehusten, ade!

Nördlich der Halbinsel Nordstrand liegt die Hallig Nordstrandischmoor. 23 Menschen leben hier, unter ihnen Jan Nommen Kruse. Er lebt mit seiner Familie im Westen der Hallig und hat neben Schafzucht, Landwirtschaft und Küstenschutz seit drei Jahren noch ein anderes Projekt: Er verkauft spezielles Heu für Pferde mit Atemwegserkrankungen.

Die Idee zur Produktion eines staubfreien Heus auf der Hallig entstand eher durch einen Zufall. Im Zuge des Halligprogramms Schleswig-Holstein, das unter anderem Prämien für naturbelassene Salzwiesen vergibt, und den Viehbesatz regelt, entstanden viele Brachflächen. „Die üblichen Bilder, die man von Halligen kennt, zeigen meist private Flächen, die intensiv bewirtschaftet werden. Dort wachsen dann zum Beispiel Halligflieder oder Wermut. Auf den Brachflächen wächst aber nur Strandhafer, der macht den Boden sauer, sodass andere Pflanzen kaum nachwachsen können“, erklärt Jan Nommen Kruse. Strandhafer ist ein Begriff für sehr kräftiges und halmiges Gras, das ursprünglich nur an sandigen Stellen wuchs, wo kein Vieh hinkam. Über die Zeit hat es sich allerdings den Bedingungen angepasst und wächst nun auch auf den überfluteten Flächen. Eine Verwendung gab es für den Strandhafer nicht, das „Problemgras“ wurde überflüssig.

 

Pferdebesitzer Thomas Ebsen ist begeistert von dem nahezu staubfreien Spezial-Heu, das seinem Kaltblutmix Merlin das Leben erleichtert.

Wohin mit dem Strandhafer?

Die Landwirte der Halligen wurden angehalten, sich um die Brachflächen zu kümmern. Die erste Entscheidung des 28-jährigen Nordstrandischmoorers war der Kauf eines Mulchers. Jahr für Jahr wurden die Flächen gemulcht und sollten zusätzlich noch von Rindern abgegrast werden. Als die Rinder begannen, dort zu weiden und der Viehbesitzer sagte, dass sie magerer zurückkamen als sie zuvor waren, wurde Jan Nommen Kruse auf den Strandhafer aufmerksam. „Wir haben hin- und herüberlegt, was wir mit dem Heu anfangen. Es ist extrem energie- und eiweißarm und enthält durch die ständigen Überflutungen nahezu keinen Staub. Wir dachten zunächst an Elefanten, weil sie Raufutter mit wenigen Nährstoffen fressen sollen. Als nächstes fielen mir Pferde ein, und ich habe Kontakt zu einem Bekannten aufgenommen, der bei einem Pferdetierarzt arbeitet. Dort wurde das Heu an Pferde mit Atemwegserkrankungen verfüttert und die Pferde kamen sehr gut mit dem neuen Futter klar“, skizziert Kruse seine ersten Schritte. Über die Homepage des Betriebs und über Ebay Kleinanzeigen begann Kruse das Heu schließlich zu vermarkten – mit Erfolg. Immer mehr Pferdebesitzer wurden auf das Allergiker-Heu von der Hallig aufmerksam, unter ihnen auch Thomas Ebsen aus Klappholz, Kreis Schleswig-Flensburg. Bei einem Besuch auf der Hallig hat er sich von Jan Nommen Kruse die Heuweiden zeigen lassen und direkt Probeballen mitgenommen. „Mein Kaltblutmix hat eine Schimmelallergie und obwohl wir das herkömmliche Heu vor dem Verfüttern waschen, hat er ständig gehustet. Seine Lunge war verschleimt und wir mussten viel inhalieren. Mit dem Heu von der Hallig ist er von Anfang an bestens klargekommen und hustet immer weniger, weil es nahezu staubfrei ist“, zeigt sich der 49-Jährige begeistert.

 

Mit 350 Rundballen war die Heuernte in diesem Jahr nicht ganz so ertragreich, in der Regel kann Jan Nommen Kruse rund 1000 Ballen produzieren.

Allergiker-Heu von der Hallig

Seit vergangenem Frühjahr bezieht er Heu und Heulage von der Hallig und ist auch von den Nebeneffekten überzeugt. „Das Heu von der Hallig ist kräftiger und halmiger als das vom Festland. Durch diese Struktur kauen die Pferde länger und intensiver, sind somit mehr beschäftigt und haben immer etwas zum Verdauen. Zudem schmeckt das Heu leicht salzig, was den Pferden gut gefällt. Und sie nehmen durch den höheren Salzgehalt zusätzlich auch mehr Wasser auf.“ Am liebsten würde er das ganze Jahr das Hallig-Heu verfüttern, dieses Jahr wird es allerdings knapp, weiß Jan Nommen Kruse. „Ich habe jedes Jahr ein bisschen später gemäht, um noch ein paar Zentimeter zu gewinnen. Allerdings hatte ich dann immer große Gänseschäden, weil die Gänse auf den frischgemähten Flächen das Gras bis zu den Wurzeln abgefressen haben. Dadurch entstand ein Teufelskreis, weil ich immer später mähen musste“, erklärt der Landwirt. Normalerweise produziert er rund 1000 Ballen pro Jahr, dieses Jahr werden es nur etwa 350. Allerdings hat er früh gemäht, sodass das junge Gras im Schutz des alten Grases wachsen kann und im Frühjahr vor den Gänsen geschützt ist. Und während die Bauern auf dem Festland zunehmend mit dem giftigen Jakobskreuzkraut zu kämpfen haben, ist die Hallig frei von dieser Pflanze. Durch die ständigen Überflutungen und den sauren Boden konnte sich das Jakobskreuzkraut bisher nicht ansiedeln – ein weiterer Pluspunkt für das Hallig-Heu finden Kruse und Ebsen. Auch die Preise für das Hallig-Heu weichen mit 10 bis 12 € pro Rundballen kaum von den herkömmlichen Heupreisen ab, die Lieferung ist inklusive. „Wir verabreden mit den Pferdebesitzern einen Treffpunkt auf dem Festland und transportieren das Heu über den Lorendamm hinüber“, berichtet Jan Nommen Kruse.

 

 

Wer sich für das Hallig-Heu interessiert, kann über die Internetseite www.norderwarft.de oder unter Tel.: 0171-7052324 Kontakt zum Produzenten auf der Hallig aufnehmen.

 

Stina Berghaus